|
Griechenlands Comeback
Die reiche Geschichte des Rebbaus in dem wiedererwachenden Weinland
nimmt ihren Anfang im Altertum schon mit dem 7. Jh. v. Chr. Die
Griechen nahmen die Weinrebe mit in alle Mittelmeergegenden und
legten damit die Fundament für den Weinbau. Allerdings waren
die Griechen nicht die ersten Weinbauern. Der erste Traubensaft
vergor vermutlich in Mesopotamien und Georgien. Die Keimzelle für
den griechischen Wein befand sich auf Kreta. Um 2600 v. Chr. begann
hier die erste Phase der minoischen Kultur. Über Kreta und
andere Inseln kam der Wein auf das Festland. Die griechischen Winzer
jener Zeit hatten Kenntnisse, über die man heute nur staunen
kann. Die antiken Tempel waren einst oft Schauplatz eines Symposions,
das für die Griechen "Zusammentrinken" bedeutet.
In Olympia, der antiken Stätte der Olympischen Spiele, war
Wein gelegentlich ein erlaubtes Dopingmittel.
Was in den letzten Jahren in Griechenland passierte, entspricht
einem gewaltigem Sprung fast von der Antike in die Neuzeit. Vor
20 Jahren gab es wenig gute Weine, es dominierten billige Verschnittweine.
Viele waren oxidativ, die Rotweine deshalb oft bräunlich,
die Weißweine hochfarbig. Nur zum Teil war Potenzial zu erahnen.
Einige der großen Kellereien waren damals bereits technisch
gut ausgerüstet und hatten sich mit Barriques befasst. Ein
paar kleinere Winzer, die in Frankreich studiert hatten, setzten
als Einzelkämpfer neue Akzente. Immer mehr gut ausgebildete Önologen
machten sich selbstständig. Investment in Weinbau (z.B. Domaine
Carras) wurde von manchen erfolgreichen Unternehmen als lohnend
betrachtet und Seiteneinsteiger (Boutique Wineries) mit etwas Kapital
kamen auch noch dazu. Griechische Weine können sowohl leicht
und elegant als auch kraftvoll und dicht sein, je nach Lesezeitpunkt.
2600 Jahre, nachdem Weinbauern unter den griechischen Seefahrern,
die Franzosen lehrten, wie man Wein macht, können deren Nachfahren
ein erstaunliches Comeback feiern.
Griechenland hat viele alte einheimische Rebsorten - über
300 verschiedene sind bisher identifiziert worden und bieten einen
einzigartigen Charakter und Geschmack. Die wichtigsten Weissweinsorten
sind Assyrtiko, Rhoditis, Savatiano und Moscophilero. Unter den
Rotweinsorten sind Agiorghitiko und die tanninreiche Xynomavro
von Bedeutung. Neben diesen einheimischen Sorten gibt es eine Reihe
von internationalen Sorten, aber auch eine starke Lobby, die dafür
streitet, dass griechischer Wein aus autochtonen (einheimischen)
Sorten hergestellt werden soll, um sein besonderes Profil der Eigenständigkeit
zu erhalten. Die große Spezialität ist der mit Harz
gewürzte und gewöhnungsbedürftige Retsina (Savatiano
+ Rhoditis), der sich direkt auf die geharzten Weine der Antike
zurückverfolgen lässt.
Es gibt eine Reihe von Persönlichkeiten, die im griechischen
Weinbau bestimmend waren und auch heute noch Wege für die
Zukunft zeigen. Die vier Pioniere des griechischen Weinbaus sind
Boutaris, Gerovassiliou, Kourtakis und Tsantalis. Jeder ist auf
seine Art ein Protagonist der griechischen Weinwirtschaft. Sie
zeigen Ambitionen und verbinden gesunden Ehrgeiz mit dem richtigen
Know-how.
Die wichtigsten Begriffe, sehr einfach erklärt:
Achtung: Aufgespritete Süßweine nicht mit Weinen von
getrockneten, rosinierten Trauben (Recioto, Vinsanto, Strohwein,
Vin de Paille) oder Weinen aus überreifen oder edelfaulen Trauben
(TBAs, Sauternes, Tokaj) verwechseln.
|